.. WERKLEITZ FESTIVAL
NICHT MEHR, NOCH NICHT
Ausstellung, Filmprogramm, Großstadtsinfonie, Workshops

21. Oktober – 3. November 2017
Halle (Saale)

nicht-mehr-noch-nicht.werkleitz.de


AUSSTELLUNG
Mit Filmen und Installationen von Emanuel Almborg, Fabian Fess & Gerrit Pawliczak & Kurt Pöschl, Clara Stella Hüneke, Ina Wudtke, Florian Zeyfang & Lisa Schmidt-Colinet & Alexander Schmoeger
Kuratiert von Florian Wüst

Eröffnung: 21. Oktober 2017, 19:00
Festivalzentrum, Große Ulrichstr. 12

Individualität ist längst nicht mehr nur ein emanzipatorischer Impuls, ein Mittel der Befreiung von rigiden sozialen Ordnungen, sondern ist zu einem gesellschaftlichen Imperativ geworden. Während viele Angehörige der Mittelschicht von Autonomie und Eigenverantwortung profitieren und darin Aufstiegschancen sehen, stellt die neue soziale Unsicherheit für die große Gruppe, die im Mahlstrom der Liberalisierungen nicht mitkommt, eine existentielle Bedrohung dar. Die Abhängigkeit der „Individuen” vom Markt untergräbt die gesellschaftliche Solidarität. Die westlichen Industrieländer seien zu Gesellschaften der Prekarität und Polarisierung geworden, schreibt Oliver Nachtwey in seinem Buch Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne. Neben der Analyse der sozialen und ökonomischen Veränderungen seit Ende der relativen Umverteilung von Wohlstand in der sogenannten sozialen Moderne erörtert Nachtwey die gegenwärtigen antiautoritären Protestbewegungen, in deren Mittelpunkt die Neuerfindung demokratischer Praxis steht. Die sich vor allem in städtischen Kontexten manifestierenden Initiativen und offenen Gemeinschaften wecken die Hoffnung auf eine mögliche solidarische Moderne der Zukunft.
Vor diesem thematischen Hintergrund unternimmt die Ausstellung des Werkleitz Festivals 2017 eine historisch-aktuelle Reise von Havanna über New York, Berlin und Athen bis nach Halle. Die filmischen, musikalischen und installativen Arbeiten von Emanuel Almborg, Fabian Fess & Gerrit Pawliczak & Kurt Pöschl, Clara Stella Hüneke, Ina Wudtke, Florian Zeyfang & Lisa Schmidt-Colinet & Alexander Schmoeger reflektieren hierbei Wege und Schwierigkeiten einer gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung von unten.


FILMPROGRAMM
Kuratiert von Florian Wüst


Industrieller Fortschritt und Urbanisierung brachten spätestens zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen gewissen Wohlstand auch für die Arbeiterschaft hervor. Mit dem Rückbau des Sozialstaats – in Deutschland durch die sogenannte Agenda 2010 – spitzt sich die soziale Frage im Kapitalismus wieder zu. Städte werden wie Unternehmen geführt, Gemeingüter privatisiert, gewachsene Nachbarschaften durch Verwertungsinteressen verdrängt. Hiergegen stehen die von immer mehr Mieter-, Garten- und Stadtteilinitiativen vertretenen und praktizierten Forderungen nach einem „Recht auf Stadt“. Denn das, was die Städte lebenswert macht, wird von allen Bewohnern hergestellt.
Das Filmprogramm von Nicht mehr, noch nicht nähert sich den aktuellen und zukünftigen Bedingungen des Zusammenlebens in Stadt und Land aus einer Vielzahl von Perspektiven auf Bild und Wirklichkeit gesellschaftlicher Prozesse. Im Rückblick auf die Wohnprobleme und städtebaulichen Konzepte der 1960– 80er Jahre in Ost und West sowie auf die vielfältigen Migrationsbewegungen seit Mauerfall entsteht ein historischer Bogen, der trotz allem das Urbane als ein Potential beschreibt, den Konflikten einer sich immer weiter individualisierenden und diversifizierenden Gesellschaft zu begegnen.
Die Kurzfilme und abendfüllenden Dokumentar- und Spielfilme werden durch zwei Gastbeiträge ergänzt: Janina Kriszio und Cornelia Lund reflektieren die besonderen künstlerischen und aktivistischen Mittel der stadtpolitischen Kämpfe von unten im Hamburg der letzten Jahrzehnte. Gerhard Wissner Ventura zeigt unter dem Titel Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause eine Auswahl an Kurzfilmen zum Thema Stadt, die beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, einem langjährigen Partner von Werkleitz im Rahmen des A38 Stipendiums, zu sehen waren.

22. Oktober 2017, 17:00
Festivalzentrum, Große Ulrichstr. 12
Terrible Houses in Danger
Kuratiert von Janina Kriszio und Cornelia Lund
Echohäuser-Song, Frank Egel, DE 2013, 4'
buy buy st. pauli (Crowdfunding-Trailer), Irene Bude, Olaf Sobczak, Steffen Jörg, DE 2012, 5'
Terrible Houses in Danger, MPZ Hamburg und Hafenstraße, BRD 1985, 45'
Abwertungskit, Margit Czenki, DE 2009, 6'
Bodenerhebungen, Doro Carl, Claudia Reiche, DE 2016, 20'
Gäste: Doro Carl, Claudia Reiche

22. Oktober 2017, 20:00

Festivalzentrum, Große Ulrichstr. 12
Abgefärbt, Fabian Fess, Gerrit Pawliczak, Kurt Pöschl, DE 2017, 60'
Gäste: Fabian Fess, Gerrit Pawliczak
Im Anschluss: Publikumsgespräch mit Protagonisten des Films und stadtpolitischen Akteuren aus Halle

24. Oktober 2017, 20:00
Festivalzentrum, Große Ulrichstr. 12
Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause
Kuratiert von Gerhard Wissner Ventura, Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
Utopía, Estela Estupinyà García, DE 2009, 7'
Whirr, Timo Katz, DE 2006, 2'
Superjednostka (Super Unit), Teresa Czepiec, PL 2014, 20'
Get Luder, Jonathan Carr, UK 2010, 9'
Bailu Dream, Nicolas Boone, FR 2014, 12'
Unsupported Transit, Zachary Formwalt, NL 2011, 14'
House, John Gillies, AU 2010, 9'
Zugebaut, Sharon Welzel, Nina Vocilka, DE 2007, 3'

27. Oktober 2017, 19:00

Zazie Kino & Bar, Kleine Ulrichstr. 22
Preis des Wohnens
Vier muren (Four Walls), Johan van der Keuken, NL 1965, 22'
Bauen in Berlin, Michael Raven, BRD 1970, 11'
Stanarsko pravo lagumasa Safera (The Tenancy Rights of Safer the Miner), Petar Ljubojev, YU 1974, 12'
Kursdorf, Michael Schwarz, DE 2011, 15'
Entwürfe, Juri Schaden, AT 2013, 22'

27. Oktober 2017, 21:00

Zazie Kino & Bar, Kleine Ulrichstr. 22
Unser kurzes Leben, Lothar Warneke, DDR 1981, 113'

31. Oktober 2017, 20:00

Operncafé, Universitätsring 24
Das Fremde, Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich, DE 1994, 86'
Gäste: Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich, Gabriela Willbold

3. November 2017, 19:00

Zazie Kino & Bar, Kleine Ulrichstr. 22
Stadtkörper
The Seaweed in Your Hair, Daphné Hérétakis, FR/GR 2016, 7'
body trail, Willy Dorner, Michael Palm, AT 2008, 8'
Aus westlichen Richtungen, Juliane Henrich, DE 2016, 61'
Gast: Juliane Henrich

3. November 2017, 21:00

Zazie Kino & Bar, Kleine Ulrichstr. 22
Das Gegenteil von Grau, Matthias Coers, DE 2017, 90'
Gast: Matthias Coers




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