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New Industries Festival
Hartware MedienKunstVerein

Von Industrie zu Industrial
Ein dreiteiliges Filmprogramm kuratiert von Florian Wüst

25. Januar 2014
Kino im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund


The Shutdown, Adam Stafford, 2009

Nur das Geld, das sich frei bewegt, könne die Wirtschaft am Laufen halten. So propagierten die Filme des amerikanischen Marshallplans, der nach 1945 den Wiederaufbau Westeuropas einleitete, die Steigerung der Produktivität und des internationalen Handels als Voraussetzung für Fortschritt und Wohlstand. Seit Beginn der Deregulierung des Kapitalverkehrs in den 1970er Jahren werden die großen Gewinne nicht mehr in der industriellen Produktion – und damit durch Arbeit –, sondern am Finanzmarkt erzielt: Geld wird gegen Geld getauscht und produziert neues Geld. Von Industrie zu Industrial präsentiert historische und zeitgenössische Werbe-, Industrie- und Dokumentarfilme, Experimentalfilme und Videokunst. Die Programme thematisieren Kohle und Öl als einstige Motoren der Modernisierung, das Verhältnis von Mensch und Maschine, die Kapitalisierung der Städte sowie den künstlerischen Umgang mit Aufstieg und Krise der westlichen Industriegesellschaft.


25. Januar 2014, 18:00

Schwarzes Gold

Die Verfügbarkeit der fossilen Brennstoffe bildete eine der wesentlichen Voraussetzungen für den industriellen Fortschritt im 20. Jahrhundert. Vor allem der Steinkohle-Bergbau prägte die Identität ganzer Gemeinschaften und Städte, Landschaften und Regionen. Dessen Niedergang in West- und Mitteleuropa ab den späten 1950er Jahren brachte einen tiefgreifenden Strukturwandel mit sich, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Das Filmprogramm konfrontiert die Euphorie des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Prozessen der Automatisierung einerseits und den Vorboten der Deindustrialisierung andererseits, an deren beider Ende die Niederlage der Arbeiterklasse steht – ökonomisch wie politisch.

The Birth of the Robot, Len Lye, UK 1935, 7'
Aquila, Jacopo Erbi, IT 1950, 21'
Reportaje a Lota, Diego Bonacina, José Román, CL 1970, 17'
Sparkassen-Werbung: Wohlstand für jeden, BRD 1955, 2'
Im Ruhrgebiet, Peter Nestler, SE 1967, 34'


25. Januar 2014, 20:00

Stadt des Geldes

Lärmende Werkshallen und geschäftige Marktplätze vermitteln einen starken Eindruck von Materialität: Hier werden Waren produziert und gegen Geld getauscht. Sogar das traditionelle Börsenparkett mit seinen wild gestikulierenden Brokern bildete eine physische Referenz des abstrakten Wertpapierhandels. Inzwischen wird dieser von Computern erledigt, Käufe und Verkäufe werden in Nanosekunden abgewickelt. Auch Arbeit ist eine Ware; sie hat jedoch keinen festen Preis. Ist er zu niedrig, reicht der Verdienst kaum zum Leben. Die Transformation der modernen Arbeits- und Lebenswelt durch die elektronischen Medien ist ebenso Thema dieses Filmprogramms wie die soziale und ökonomische Vielschichtigkeit der Stadt: Instandbesetzung versus Luxussanierung.

Die Heinzelmännchen, Gerhard Fieber, BRD 1962, 11'
Arrival, Mani Kaul, IN 1979, 19'
Una Ciudad En Una Ciudad, cylixe, DE 2013, 18'
Unsupported Transit, Zachary Formwalt, NL 2011, 14'
The Good Life (a guided tour), Vermeir & Heiremans, BE 2009, 16'


25. Januar 2014, 22:00

Biest am Himmel

Viele westdeutsche Industriefilme der 1950/60er Jahre stellen die Tätigkeit der Unternehmen vor dem Hintergrund der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung heraus. Auch auf formaler Ebene sollten die Filme dem Zeitgeist entsprechen: durch den Einsatz von elektronischer Musik oder mikroskopischer Bilder, die spektakuläre Einblicke in für das menschliche Auge unsichtbare Strukturen und Vorgänge bieten. Das Verhältnis von Mensch und Maschine im fortschreitenden technischen Zeitalter wird durch die drei Filme des Programms ganz unterschiedlich beschrieben. Zentral steht hierbei Sogo Ishiis Industrial und Butoh verbindende Weltvision in 1/2 Mensch, aufgenommen während der Japantournee der Einstürzenden Neubauten im Mai 1985.

Aluminium – Porträt eines Metalls
, Willy Zielke, BRD 1957, 13'
1/2 Mensch, Sogo Ishii, JP 1985, 50'

The Shutdown, Adam Stafford, UK 2009, 10'